20th Internationale Konferenz für Ganzheitliches Sehen

28 - 30 Oktober 2005 - Genua - Italien

Bericht

von Uschi Ostermeier-Sitkowski

 

 

Die 20.Internationale Sehlehrerkonferenz fand dieses Jahr in Genua / Italien vom 28.- 30. Oktober 2005 statt._

Die internationale Konferenz für Ganzheitliches Sehen feierte im Jahr 2005 ein Jubiläum. Bereits zum 20. Mal fand dieses Ereignis am letzten Oktoberwochenende des Jahres statt.

Dieses Mal lockte Genua, die Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2004 etwa 70 TeilnehmerInnen an die italienische Riviera. Hier kam die internationale Szene des Ganzheitlichen Sehens zusammen: Sehtrainer, Optiker, Augenärzte aus aller Welt, um Erfahrungen auszutauschen, Neues kennen zu lernen und das Sehen in seiner ganzen Vielfalt zu erfahren. Auch Neulinge waren eingeladen, so dass sich eine wunderbare Publikumsmischung ergab, die ebenso heterogen und bunt war wie die große Angebotspalette des Events. Dazu zählten profunde Expertenvorträge und interessante Workshops zu verschiedenen Themen rund ums Sehen.

 

Tom Quackenbush aus den USA begann bereits am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung der Konferenz mit einem Workshop über die Balance der beiden Gehirnhälften zur Unterstützung der Sehverbesserung. Sarah Cobb und Ray Gottlieb, ebenfalls USA, gaben praktische Anleitungen, das Gesichtsfeld und periphere Sehen der Klienten zu erfassen.

Am Donnerstag ließ Wolfgang Hätscher-Rosenbauer aus Deutschland seine Teilnehmer die Dynamik farbiger Nachbilder erforschen - eine Arbeit, die er bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchführt. Marianne Wiendl aus München stellte ihre neue Methode der Systemischen Augentherapie anhand praktischer Beispiele vor. Eva Lothar aus Paris hielt sich in ihrem Workshop mit der Vertiefung von bekannten Übungen an den Ur-Vater des Sehtrainings, Dr. Bates.

Für mich war die Ankunft in Genua wie das Ankommen in einer großen Familie. Bereits auf dem kurzen Weg zu Fuß vom Bahnhof zum Hotel traf ich Freunde, Bekannte, Kollegen aus aller Welt - und ich fühlte mich gleich zu Hause - obwohl in einer fremden Stadt. Der Abend begann mit Gesprächen, Austausch und gemütlichem Beisammensein, ein ganz wichtiges Element dieser Konferenzen.

Am Freitag, nach einem typisch italienischen Frühstück, trafen wir uns bei der Porta Soprana am Casa di Colombo, dem Geburtshaus von Christoph Columbus. In der Nähe fand die Eröffnungsveranstaltung statt. Die Begrüßung von Maurizio Cagnoli, dem Organisator der Konferenz wurde gefolgt von einem sehr interessanten Vortrag von Sylvia Loretta Lakeland, der Organisatorin der vorigen Konferenz auf Madeira und Dr. Laercio Motoryn, beide aus Sao Paulo, Brasilien, über die Arbeit mit Sehbehinderten mit Methoden aus dem Sehtraining und der Schulmedizin.

Danach ging es zu Fuß durch die Stadt - beeindruckend die vielen kleinen Gassen, die hochherrschaftlichen Paläste, die reich verzierten Kirchen und Museen. Maurizio hatte nicht zu viel versprochen: ein Kunstwerk nach dem anderen in einer wirklich faszinierenden Altstadt._

Zum Hauptteil der Konferenz fanden wir uns dann im Konvent di Sant'Agostino ein. Nach einem Stehempfang mit leichtem Mittagessen gab es Vorträge von Tom Quackenbush und Liz Middleton, aus London. Leonora Koller-Eps aus der Schweiz zeigte mit viel Enthusiasmus und in lockerer, frischer Art praktische Übungen aus dem Qigong und der von ihr entwickelten Methode Ri-Tai. Wer gerne spielt, hatte am Abend Gelegenheit dazu mit vielen leuchtenden und glitzernden Überraschungen in einem völlig abgedunkelten Raum mit Dror Schneider und Carol Gallup, USA.

Wieder mit vielen praktischen Übungen zum Thema Augenkontakt und Emotion begann der Samstag mit Marie Schils aus Belgien.

Carol Gallup stellte farbige Brillen zur Entspannung und Erfrischung der Augen vor.

Ray Gottlieb, einer der "Großen Alten" des Sehtrainings berichtete in bescheidener Weise über seine eigenen Erfahrungen als Kurzsichtiger, und wie wichtig es ist, die Augen zu entspannen mit einfachen Bates-Übungen wie Blinzeln und Atmen, Schwingen und Palmieren. Er bezeichnet sich selbst als "palmoholic" und erklärt seinen Erfolg damit.

In einem fundierten psychologischen Vortrag führte Ghislaine de Laage aus Frankreich in ihre Arbeit ein, wie Visualisation und Symbolik ihren Patienten helfen können, die rationale linke Gehirnhälfte mit der intuitiven rechten zu harmonisieren. Dror Schneider lockerte dann wieder mit Spielen und viel Glamour und Glitzer als Material für Augenübungen auf.

 

 

Das Highlight dieses gesellschaftlichen "Events" war sicherlich das Gala Diner im Palazzo Ducale, dem Dogenpalast an der Piazza Ferrari, dem Hauptplatz von Genua. Bei einem vielfältigen ligurischen Menü und italienischem Wein konnten sich die Teilnehmer näher kennenlernen und die bisherigen Eindrücke Revue passieren lassen. Wolfgang Hätscher-Rosenbauer wurde zum 20. Jubiläum als Organisator der 1. Konferenz in Köln 1986 und sozusagen als "Urvater" dieses jährlichen Ereignisses geehrt. Zu später Stunde wurde zu Live Musik getanzt - während draußen auf dem Platz das Leben der Jugendlichen der Stadt pulsierte.

Die Highlights der fachlichen Seite (wie ich selbst nicht zu urteilen wage, aber von verschiedenen internationalen Seiten hörte) waren am Sonntag die Beiträge unserer deutschen Kolleginnen:

 

Gisela Wesche-Nielsen erzählte mit viel Emotionalität und Überzeugung von ihrer Arbeit mit Sehbehinderten - und

Marianne Wiendl stellte ihre neue Methode, die Systemische Augentherapie vor und wies auf das Buch zum Thema hin, das Anfang 2006 erscheinen wird. Gemeinsam mit Ihrer Kollegin Uschi Ostermeier - Sitkowski beschreibt sie Zusammenhänge zwischen Fehlsichtigkeiten und Familiensystem und verknüpft die Aufstellungsarbeit mit dem Sehen.

 

Ein Lichtblick aus der Schulmedizin: Dr. Mario Cigada aus Italien berichtete über neueste Erkenntnisse in der Anatomie der äußeren Augenmuskeln.

Eine sehr interessante und sanfte Art der Sehverbesserung zeigte David Webber aus USA: die Verbindung von Sehtraining und der Feldenkrais Methode. Eva Lothar aus Paris rundete das Programm ab, indem sie mit altbekannten Bates-Übungen in die Tiefe ging.

Fazit: Zwar war der Konvent mit seinem dunklen, engen Vortragsraum, den schattigen Gewölben und der natürlich vorher nicht absehbaren Baustelle im Eingangsbereich nicht ganz der ideale Ort, um entspanntes Sehen zu erleben - aber ein gewisser Charme mit umliegenden Cafes und einem grünen Innenhof (in dem Carla Real aus der Schweiz den "Schwimmenden Drachen", eine Übung aus dem Qi Gong zeigte) war ihm nicht abzusprechen. Vielleicht hätte auch der gemeinschaftliche Geist der Konferenz noch mehr gefördert werden können, indem die Mahlzeiten in einer entspannteren Atmosphäre in gemeinsamem Rahmen stattgefunden hätten.

 

Die sprachliche Organisation war perfekt: alle Vorträge wurden in der Muttersprache vorgetragen und jeweils in die Sprachen Italienisch, Englisch und Deutsch simultan übersetzt. Für die Teilnehmer aus geringer vertretenen Sprachgruppen wie z. B. Französisch, Spanisch und Portugiesisch gab es Übersetzungen in Kleingruppen.

Alles in allem eine gelungene Konferenz im Zeichen des Sehens - und wie geht es weiter?

 

Kunti Nagwekar, eine Augenärztin aus Indien, die im Jahr 2006 dort die nächste Konferenz organisieren wollte und in Genua einen Vortrag über Augenyoga halten sollte, konnte leider nicht kommen. So steht auch die Konferenz für 2006 in den Sternen

Aber es gibt gute Aussichten für 2007: der Arbeitskreis Süd des Vereins für Gesundes Sehen, Deutschland wird im Herbst 2007 die Konferenz im Umkreis von München ausrichten. Einige wunderschöne Orte sind bereit zur Auswahl im Gespräch. Wir freuen uns schon darauf!

Autorin: Uschi Ostermeier-Sitkowski / Fotos: Maurizio Cagnoli. Peter Ruiter

 

Ein neues Ergebnis ist auch, dass sämtliche Vereine bzw. Assoziation enger mioteinander arbeiten werden., so dass ein Austausch nun auch auf internationaler Ebene gefördert wird.

Das erste Resultat sind viele Links....

Schweiz:_Schweizer Berufsverband der SehlehrerInnen_ www.sehtraining.ch

Italien:_Associazione Italiana per l´educazione Visiva_ www.aiev.it

Frankreich:_Association l´art de voir_ www.artdevoir.asso.fr

Portugal:_Terapias da Vista e Educacao Corporal_ www.lakelandsylvia.com.br

Großbritannien:_College of Vision Education _ www.batescve.co.uk

Nordamerika:_Association of Vision Educators_association of visioneducators.org

Brasilien:_Rehabilitacao Visual Metodo_e-mail: mafer_leite@ig.com.br


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