Besser sehen...
 
    ... bedeutet auch, die Welt mit neuen Augen zu betrachten

    November 2006
 

 

Fußnoten

Hinweis: wenn ich von Menschen mit Sehproblemen spreche, meine ich damit diejenigen, bei denen eine der folgenden Diagnosen gestellt wurde: Myopie (Kurzsichtigkeit), Hypermetropie (Weitsichtigkeit), Presbyopie (Altersweitsichtigkeit), Astigmatismus (Hoeernhautverkrümmung), Strabismus (Schielen). Tatsächlich sehe ich diese Erscheinungen nicht als Probleme an, geschweige denn als Krankheiten. Im Laufe der Lektüre dieses Artikels wird deutlich werden, dass ich sie als Teil des Charakters einer Person betrachte, die Art und Weise, in der jemand das Leben "sieht" und wie er es angeht. Sich des eigenen Charakters bewusst zu werden und die Fähigkeit, hier Veränderungen herbeiführen zu können, betrachte ich als Ausdruck von Freiheit, als etwas sehr Wertvolles.

Ein zweiter Hinweis: in diesen Seiten steht oft die Kurzsichtigkeit im Mittelpunkt, das heißt, dass Beispiele und Erklärungen sich oft ausschließlich oder hauptsächlich hiermit beschäftigen. Das bedeutet nicht, dass ich an den anderen Augenproblemen kein Interesse habe. Es ist jedoch eine Tatsache, dass die Kurzsichtigkeit statistisch gesehen die innerhalb unserer Gesellschaft am häufigsten vorkommende "Sehweise" darstellt (häufiger als Normalsichtigkeit) und die am schnellsten zunehmende. Bei einer Gruppe von durchschnittlich 15 Leuten, die an einem Sehtraining teilnehmen, kann man davon ausgehen, dass zumindest 10 von ihnen kurzsichtig sind. Daher gehe ich davon aus, dass diejenigen, die diesen Text lesen, ebenfalls hauptsächlich daran interessiert sind, sich mit dem Thema Myopie auseinander zu setzen.

 

"Eine seltsame Idee" sich mit den Augen beschäftigen! Wozu das Ganze? Es gibt doch viel wichtigere Dinge, wie Krebs oder Aids. Und wenn man ein Problem hat, kann das doch der Optiker wieder in Ordnung bringen, nicht wahr?" Dies ist vielleicht die am weitesten verbreitete Meinung und sogar diejenigen, die unterscheiden zwischen dem Kompensieren (mit Hilfe einer Brille) und dem Wiedererlangen von Sehkraft, betrachten dies mehr oder weniger als eine technische Angelegenheit (in etwa wie einen defekten Zahn, den man beim Zahnarzt wieder sanieren lässt), ein Problem, dass man behandeln kann als handele es sich um einen mechanischen Schaden am Auto. Extrem selten finden wir große Aufmerksamkeit oder ganzheitliches Denken, wenn es sich um die Augen dreht.

Dies ist in unserer Gesellschaft, in der ganzheitliche Ansätze wenig verbreitet sind, nichts Ungewöhnliches. Es gibt hier eine gewisse Tendenz, die aus der Aufklärung stammt, die Augen mit einer Wissenschaft gleichzusetzen, im Sinne einer kühlen, objektiven und nüchternen Ausübung des Verstandes. So gesehen werden die Augen als wissenschaftliches Werkzeug betrachtet, man denkt dabei an eine Art "Kamera". Hieraus leitet sich ein sehr starker Widerstand ab, den Gedanken zu akzeptieren, dass Sehen etwas sehr Subjektives ist, dass das, was ich sehe sich völlig unterscheidet von dem, was du siehst. Es ist schon komisch, dass in dieser Hinsicht das Allgemeinwissen der Wissenschaft seit langem weit voraus ist. Gebräuchliche Sprüche wie "das siehst du nicht richtig" oder "Liebe ist blind" oder "mit den Augen eines Neugeborenen sehen" beweisen dies deutlich.

Man sagt, dass die Augen die Fenster der Seele sind. Und immer noch glauben wir, dass wir sie reparieren können, ohne dabei dem dazugehörigen Körper Aufmerksamkeit zu zollen oder dem Geist und dem Wesen, welchem sie Ausdruck verleihen. Heilung, sofern diese existiert, kann nur auf einer globalen Ebene geschehen und unter Einbeziehung des Körpers, des Geistes und des Wesens eines Menschen. Sogar, wenn für uns die Augen der Schwerpunkt sind, sollten wir immer auch ein Auge auf mehrere andere Ebenen haben. Hierzu gehören die Integration von Ansätzen und Resultaten, die aus verschiedenen heute verfügbaren Richtungen kommen. Ebenso trifft auch das Gegenteil zu: viele "ganzheitliche" Therapien und Ansätze haben oft vergessen, "ein Auge auf die Augen zu werfen".

An dieser Stelle möchte ich einige Aspekte definieren, denen man sich bei der Beschäftigung mit den Augen des Menschen (und dem ganzen Menschen) stellen sollte, wobei ich einige Bezugspunkte und Beispiele aufführen werde.

 

Der soziologische/anthropologische Gesichtspunkt

Von meiner Ausbildung her bin ich Soziologe, so dass ich vielleicht die Tendenz haben mag, die Bedeutung dieses Gebietes überzubewerten. Dennoch scheinen mir derartige Fakten, wie die im folgenden genannten, von größter Relevanz zu sein:

* Kurzsichtigkeit war den Eskimos von Alaska unbekannt bis die Schulpflicht eingeführt wurde.

* Amerikanische Militärakademien nehmen keine Leute mit Sehproblemen an, aber am Ende der Ausbildung ist eine sehr hohe Rate an Absolventen mit Sehproblemen zu verzeichnen.

* Die Chinesen kennen kaum Sehprobleme, bei den in Taiwan lebenden Chinesen jedoch sind es mehr als bei irgendeinem anderen Volk.

* Menschen, die an Orten wie Vilcabamba in Ecuador leben oder auch die Hunzas im Himalaya leiden in der Regel nicht einmal bei fortgeschrittenem Alter an Altersweitsichtigkeit.

* In den Jahren zwischen 1976 und 1978 haben viele kurzsichtige Sannyasins aus dem Westen aufgehört ihre Brillen zu tragen und "haben sich dem Buddha, der Kommune und der Wahrheit verschrieben", und über lange Zeiträume in Poona, in Indien gelebt, wo sie gearbeitet und meditiert haben (jedoch kein spezielles Sehtraining absolviert haben). Nach einigen Jahren haben viele berichtet, dass ihre Augen sich sehr verbessert hatten.

Demnach sieht es so aus, dass die kulturelle Umgebung, die sozialen Werte usw. tatsächlich einen Einfluss darauf haben, wie wir sehen und was wir sehen.

Lasst mich hier nur einige Hypothesen vorbringen, die von mehreren Studien unterstützt werden:

* Ist eine stark zielorientierte Einstellung vorhanden, wird man eine starre Sozialstruktur und rigide Erziehungsmethoden vorfinden. Die Erziehung wiederum basiert dann auf dem Prinzip der Konzentration (im Gegensatz zu Kontemplation und Meditation) und dies bedeutet, dass die Aufmerksamkeit (der Blick) über einen längeren Zeitraum auf ein eingeschränktes Ziel gerichtet ist. Myopie und Hypermetropie (Weitsichtigkeit bei Kindern), ebenso wie Schielen und Astigmatismus sind Formen der Anpassung an die Art von Stress, die durch Konzentration entsteht (insbesondere bei Aufgaben, die in nur kurzem Abstand zu den Augen ausgeführt werden) und das Ganze bezogen auf eine Situation, gegen die man weder körperlich ankämpfen noch der man körperlich entfliehen kann.

* Weiterhin wird, wenn man es ein Leben lang trainiert hat, sich immer auf Ziele in der Zukunft zu konzentrieren und nie auf das Hier und Jetzt, Altersweitsichtigkeit die Folge sein als Zeichen der Unfähigkeit, sich auf das auszurichten (und mit demjenigen in Berührung zu kommen), das in Zeit und Raum ganz in unserer Nähe ist.

 

Bewusstsein

* Erleuchtete Menschen sind oft als Seher bezeichnet worden. "Die Augen öffnen", "klar sehen" werden als Synonyme benutzt für "sich bewusst werden".

Und dennoch kann es von Zeit zu Zeit wichtig sein, die Augen einmal zu schließen, um uns einer Sache bewusst zu werden. Wir mögen entdecken, dass wir eine Menge an Eindrücken aus unserem Bewusstsein ausgeschlossen haben, die uns über unsere anderen Wahrnehmungskanäle erreichen (siehe weiter unten, unter Kanäle der Wahrnehmung) oder wir mögen uns unseres ständigen inneren Dialogs bewusst werden, des ständigen Geplappers in unserem Kopf (sozusagen der inneren Quasselstrippe). Indem wir uns dieses Raums bewusst werden, können wir beginnen, die Vorurteile, Projektionen, Glaubenssätze und Konditionierungen zu erkennen, von denen wir geprägt wurden. Gewissermaßen ist das, als ob wir unsere Augen betrachteten, denn unser Sehen wurde durch dieses organisierte Chaos geformt: nun, dieses organisierte Chaos von Konditionierungen, Ängsten, Vorurteilen etc. wird im allgemeinen als Ego bezeichnet und ist das Zentrum, um das herum wir unser Identitätsgefühl aufbauen. Wir können also sagen, dass unsere Augen weitestgehend dem Ausdruck unseres Egos dienen und dass es schwierig ist unser Ego zu sehen. In den Spiegel zu sehen ist hier nicht unbedingt eine Hilfe: es mag sein, dass wir weiterhin mit voreingenommenen Augen sehen. Wie also können wir unsere Augen (sprich unser Ego) von einem Raum aus betrachten, der frei von innerem Geplapper ist? Genau dieses ist eine der Grundideen der Meditation.

Für Menschen mit Sehproblemen hat dies eine spezielle Bedeutung, da sie sehr oft Probleme mit ihrem Selbstbild haben (sowohl mit ihrem äußeren Aussehen als auch mit demjenigen, was sie im allgemeinen über sich selbst denken) und sich dabei hin und her gerissen fühlen können (einiges hiervon wird im Kapitel Überzeugungen und Erfahrungen und in den nachfolgenden Kapiteln erläutert). Dies bedeutet, dass sie tief im Inneren sich selbst (das Bild, welches sie von sich selbst haben) nicht sehen wollen. Sie wollen ihr Ego nicht sehen. Sie haben Angst vor dem, was sie dabei entdecken könnten, wenn sie sich seiner bewusst würden. Das führt zu der Frage, wie wir uns der Überzeugungen bezüglich unserer eigenen Person bewusst werden können, wie wir ihren festen Griff lockern und uns von ihnen befreien können (siehe weiter unten, unter Überzeugungen und Erfahrungen).

- Auch muss die Beziehung zwischen Konzentration einerseits und globaler Wahrnehmung andererseits berücksichtigt werden, und dies hat eine Menge mit Meditation zu tun. Kurzsichtige Menschen zum Beispiel haben es verinnerlicht, Bewusstsein als eine starke Konzentration auf etwas oder jemanden anzunehmen und zu verstehen. Oft ist es so, dass sie einschlafen, wenn sie sich entspannen. Sie sind entweder in einem Zustand der Aufmerksamkeit und somit unter Spannung oder sie nehmen die Dinge nicht bewusst wahr. Weitsichtige Menschen haben die Tendenz, die Konzentration auf ein Thema zu vermeiden und mit Begeisterung von einem zum nächsten zu springen, meist auf eine eher ergebnislose Weise. Beide, wie fast jeder andere in der westlichen Welt auch, sind ebenfalls nicht in der Lage, eine sanfte, erweiterte, 120° Sicht zu erreichen (die sich in der Tat mit Hilfe von Kontemplation/Meditation auf 360° erhöhen kann).

- Menschen mit visueller Orientierungsfähigkeit ­ und Menschen mit Sehproblemen sind im allgemeinen visuell orientiert (siehe weiter unten, im Kapitel Kanäle der Wahrnehmung) ­ tendieren dazu, dualistisch zu sein, die richtige Seite zu wählen und die falsche Seite zu leugnen: das Dunkle wird weggeschoben, das Unbewusste wird vergessen, der weibliche (oder männliche) Anteil wird geleugnet, Körper und Instinkte werden ebenso verleugnet. Alle diese Haltungen, die Hindernisse auf dem Weg zu Bewusstsein und Meditation darstellen, bringen auch direkte Unausgeglichenheiten in der Sehweise mit sich (Bedürfnis nach scharfen Kontrasten, Suche nach übertriebenen Definitionen, Besessenheit hinsichtlich der Bedeutung der Dinge = dem was, sowie eine Unfähigkeit, dem Wechsel und der Bewegung zu folgen = dem wo und wie).

- Und dann beeinflusst die Art und Weise, in der wir uns selbst wahrnehmen, auch die Art und Weise, in der wir das Universum sehen. Betrachten wir uns als Teil eines Ganzen oder als getrennt hiervon? Im Zentrum oder an der Peripherie der Existenz? Getrenntsein kann eine ich bin gegen dich (oder du bist gegen mich) Sichtweise hervorbringen, verbunden mit der Schwierigkeit die Dinge als Ganzes wahrzunehmen (vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr). Sich an der Peripherie zu fühlen bedeutet eine Unfähigkeit hinsichtlich der Selbstorientierung, die wiederum eine der höheren visuellen Fähigkeiten ist. Weiterhin kann das Sich Zentrieren (als ein Schritt zur Annäherung an ein bewusstes Sein) sehr hilfreich dabei sein zu lernen unsere Sichtweise zu ändern.

- Es zu akzeptieren, dass die Realität sich ständig verändert und dass es daher nicht so etwas wie eine feste Sichtweise (oder einen festen Bezugspunkt) gibt, ist besonders für kurzsichtige Menschen ebenfalls außerordentlich schwierig. Sie neigen dazu, feste Beziehungsstrukturen vorzuziehen ebenso wie beständige Jobs und klar definierte, feste und gut gegliederte Denkstrukturen (traditionelle Religionen zum Beispiel), in denen richtig richtig ist und falsch falsch ist. Dies geht einher mit der Vorliebe für scharfe Sehkontraste (und dem Bedürfnis des Überdefinierens von Bildern), mit einem eingeengten Gesichtskreis, einer verminderten Fähigkeit Augen und Körper in einer schnellen und koordinierten Weise zu bewegen, der Unfähigkeit sich sehr schnell bewegende Objekte zu verfolgen und der Tendenz zum Starren.

 

Phasen des Wachstums und der Transformation

Es ist eine Tatsache, dass sich in bestimmten Abständen die Art und Weise verändert, in der wir handeln, uns in der Welt bewegen und in der wir die Welt wahrnehmen, ob uns das nun gefällt oder auch nicht. Und unsere Perioden der Veränderung folgen bestimmten Mustern, bestimmten Archetypen, die von der Kultur, in der wir leben, bestimmt werden. In unserer Kultur ist die Waise, die/der Betrogene, ein geläufiges Muster. Wenn wir uns in diesem Feld befinden, neigen wir dazu die Welt als unfreundlich zu betrachten, wir sind ohne Hoffnung, fühlen uns zutiefst schuldig und glauben, die einzige Hoffnung läge in einem Retter, der uns erlöst (aber tief im Inneren wissen wir, dass es für uns keine Erlösung gibt und diejenigen, die uns freundlich gesinnt sind, uns in Wahrheit betrügen werden). Dies ist ein extrem starker Archetypus in unserer Kultur (man denke an den christlichen Mythos des verlorenen Paradieses, an den Sündenfall und die Erlösung durch den Messias und auch an den Teufel, der uns ständig in Versuchung führt...). Jeder von uns ist zwangsläufig von Zeit zu Zeit von diesem Muster betroffen.

Zu anderen Zeiten fühlen wir uns mehr als Krieger: dahinter steht die Idee, dass wir etwas Gutes tun können, jedoch nur mit sehr viel Anstrengung und indem wir gegen eine Art Feind ankämpfen. Wenn wir gewinnen wollen, dann muss jemand oder etwas besiegt werden. Dies ist sehr archaisch und sehr männlich orientiert, aber es ist auch sehr dominant in unserer Gesellschaft.

Denkt einmal für einen Moment darüber nach, was normalerweise geschieht, wenn jemand krank ist: die meisten neigen dazu sich wie Waisenkinder zu benehmen ("warum ich?") und laufen zu Ärzten, von denen sie sich die Rettung erwarten und die Erlösung von den Konsequenzen ihrer "Sünden" ("Sie essen zuviel Fett!"). Die Ärzte hingegen betrachten sich selbst als Helden, die gegen einen Drachen kämpfen, eine Epidemie, einen Virus, einen erhöhten Zuckerspiegel im Urin oder was auch sonst immer. Der Drachen muss besiegt und das unglückliche Opfer gerettet werden. Das Einzige, das von dem Opfer (dem Patienten) erwartet wird, ist, dass er dem Retter dankbar ist.

Es gibt noch weitere machtvolle Muster, die häufig in unserer Gesellschaft vorkommen: den Reisenden, den Märtyrer, den Zauberer, den Verrückten, etc. Von Zeit zu Zeit wechseln wir von dem einen zum anderen, wir neigen dazu, gewisse Muster zu bevorzugen und andere zu vermeiden. Es ist wichtig, dass man erkennen kann, welches Muster die Gruppenteilnehmer gerade leben und in der Sprache dieses Musters zu sprechen. Auch ist es wichtig den Teilnehmern dabei zu helfen, nicht in einem Muster stecken zu bleiben und sich auch mit weniger gängigen Mustern anzufreunden.

Aber lasst mich noch ein bisschen mit den beiden Mustern spielen, die ich bereits vorgestellt habe und anhand dieser Muster etwas erklären, was häufig bei einem Sehtraining geschieht.

Als erstes haben Menschen mit Sehproblemen die Tendenz, länger im Muster des Waisenkindes zu verharren als in irgendeinem anderen Muster. Und neigen dazu nach einem Retter zu suchen: das heißt sie erwarten von der Gruppe oder vom Leiter, dass diese ihre Probleme lösen, sie erwarten nicht, dass sie es selbst tun werden. Sie sind bereit zu leiden, Anstrengungen zu unternehmen (wie eine Art Opfer, wenn man etwas von einem Gott oder einem König erbittet), sind aber nicht bereit, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Auf der anderen Seite findet man Leiter von Sehtrainingsgruppen, die insbesondere eine Sache gelernt haben: dass gut zu sehen deine Verantwortung ist. Gewissermaßen haben sie gelernt Krieger zu sein. Wenn du gut sehen willst, so denken sie, dann musst du halt deinen Willen einsetzen, trainieren und nochmals trainieren, wie ein Athlet, und dich Tag für Tag und Meter um Meter voranarbeiten (und gegen deine Faulheit ankämpfen, und schließlich wird dein Sehproblem besiegt sein, mehr als dass es gelöst sein wird).

Jedoch ist es so, dass der durchschnittliche Teilnehmer nicht wirklich glauben kann, dass er/sie jeden Tag üben soll! Für ihn bedeuten die Übungen sowohl Leiden als auch Opfer und einmal (während der Gruppe) sollte genügen! Hieraus leiten sich oft viele Missverständnisse ab.

Muster können sich verändern und sie tun dies mit relativer Leichtigkeit, vorausgesetzt man bedient sich ihrer Sprache und ihrer Bedeutung. In anderen Worten: Ansichten können sich verändern, selbst wenn sie später hartnäckig nochmals zurückkommen werden, an einigen Stellen mehr und an anderen weniger. So gesehen haben die ganzen Werke zum Thema ,Archetypen/Muster' (ich denke dabei z. B. an C. Pearson, den Autor von "The hero within") besondere Relevanz, wenn wir uns mit den Überzeugungen beschäftigen (siehe unten).

 

Wissenschaft, technische Daten, Geräte, etc.

Wir sollten hinsichtlich dieses riesigen Wissensgebietes die Augen nicht verschließen. Wir sollten uns damit auseinandersetzen und herausfinden, was hiervon für uns nützlich sein kann.

- Wenn wir erst einmal ein Basiswissen zur Anatomie des Auges besitzen, ist das detaillierte neurologische Wissen der Ophthalmologen nicht mehr von großer Relevanz hinsichtlich der Verbesserung der Sehkraft, denn dieses Wissen dient dem Verstehen von Krankheiten, wie Augeninfektionen, Glaukom, usw. Lediglich das Wissen über die Entwicklung der Augen und der Sehkraft bei Kindern ist hier von ziemlicher Bedeutung.

- Aus dem gleichen Grund gibt es einige Dinge, die wir von Leuten wie Piaget und Spitz über die psychologische Seite der Evolution der Sehkraft bei Kindern lernen können. Es ist allerdings schwierig: sie benutzen nicht unbedingt dieselbe Sprache wie du und ich...

- Es gibt auch Menschen, die darüber forschen, wie die Herausbildung einer unserer Wahrnehmungsfunktionen die Entwicklung der anderen entweder beeinflussen oder behindern kann. Delacato, z. B., hat eine Verbindung hergestellt zwischen der Art und Weise, in der ein Baby die verschiedenen Phasen durchläuft, in denen es lernt, sich vorwärts zu bewegen und zu krabbeln, und der Frage, wie gut seine Gehirn-Körper-Integration sein wird. Seine Arbeit ist eine entscheidende Hilfe beim Verständnis der Dyslexie (Leseschwäche) und anderen Aspekten des Sehens. Tomatis hat sich in seinen Studien viel mit dem Gehör beschäftigt und die Schlussfolgerung gezogen, dass die richtige Entwicklung der Gehör-/Sprachfunktion die zentrale Achse ist, um die herum sich die globale Entwicklung der Persönlichkeit vollzieht. Er hat in diesem Bereich eine sehr interessante Therapie entwickelt. Auch wenn wir seine Sichtweise vielleicht als ein wenig einseitig betrachten, gibt es in seinem Ansatz viele Verbindungen, Ähnlichkeiten und Vorschläge für uns.

- Der größte Teil der monumentalen Forschungsarbeit der Gestalt-Psychologen (hat nichts mit Gestalt-Therapie zu tun) zur Grammatik der visuellen Wahrnehmung (Kanizsa) kann uns nur wenig geben. Ihr Forschungsobjekt ist der "normale" Mensch, der "normal" sieht, was sehr weit entfernt ist von der sozialen und psychologischen Realität. Was auch immer an Wissenswertem von ihnen stammt, findet sich in dem Buch von L. Ancona (einschließlich der fundamentalen Entdeckung der saccadic movements (1) durch Yarbus). Zu dieser Schlussfolgerung kam ich auch nach dem Durchforsten von 40 Jahren Sehforschung, wobei ich mehrere mühsam zu verstehende Werke und eine Vielzahl an Zusammenfassungen von Artikeln in Zeitschriften wie Perception und Visual Research gelesen habe.

- Etwas bedeutender scheint die Theorie der beiden Gehirnhälften zu sein (sie stellt die Grundlage von brain gym dar und auch derjenigen Geräte, die über Licht- und Tonimpulse auf die Gehirnfrequenz einwirken). Diese Theorie hat großen Einfluss auf viele Ansätze gehabt, einschließlich "Garantiert Zeichnen lernen" (B. Edwards), die sehr hilfreich beim Wiedererlangen verlorener Dimensionen des Sehens sein können (siehe unter Kanäle der Wahrnehmung).

- Die Forschung zu den Themen: Licht, Farben, UVA und UVB sowie ihre Wirkung auf den Menschen hat interessante Fakten enthüllt. Zum Beispiel: unser Körper weiß aufgrund der erhöhten Lichtmenge und ultravioletten Strahlung, dass der Winter zu Ende ist und wir aktiver, wacher, sexuell interessierter usw. werden können. In gewisser Weise sehen wir die Strahlen nicht, aber unser Gehirn nimmt sie wahr und dies erfolgt über die Augen. Wenn wir mehr UV-Strahlen sehen, ist eine der Konsequenzen davon, dass wir aus der Lethargie herauskommen (dies war eine gute Lösung sich an den Winter anzupassen, als wir noch mehr ,Tier' waren) und dass wir aus der Depression herauskommen (von der man herausgefunden hat, dass sie höchst saisonabhängig ist, und zwar bezogen auf den Winter und den Lichtmangel). Aber wir können es auch verhindern, dass diese lebendigen, optimistischen Wellen uns erreichen, wir können Konditionen schaffen, die uns anfällig für Trägheit und Depression machen. Wie? Man braucht nur Glas zwischen Augen und Licht zu bringen (es filtert die UV-Strahlen aus). Man kann hinter Fenstern bleiben oder Brillen irgendwelcher Art tragen: je mehr man dies tut, um so überempfindlicher wird man dem Licht gegenüber werden und so ist schon ein Teufelskreis entstanden. Könnt ihr die Folgen sehen? Es gibt noch viele weitere Aspekte (z.B. den psychologischen Aspekt der Farben), die für unsere Arbeit relevant sein können. Also, sollten wir diesen Bereich lieber im Auge behalten.

- Der Gebrauch von technischen Hilfsmitteln bei der Überprüfung des Zustandes der Augen sowie zum Verständnis ihrer Funktion kann sich als nützlich erweisen, wenn wir uns mehr in Richtung des therapeutisch-medizinischen Bereichs orientieren möchten. In der Regel sind diese Techniken sehr teurer und geben einem nur wenige Daten an die Hand. Wenn es möglich ist, empfiehlt sich weitaus mehr die Zusammenarbeit mit einem Optiker oder Optometristen (2) und hier am besten mit einem ,behavioral optometrist', der auch die Persönlichkeit und das Verhalten mit einbezieht.

- Innerhalb der anerkannten wissenschaftlichen Kreise haben nur die ,behavioral optometrists' Beiträge geleistet, die sich relativ leicht in unseren Ansatz integrieren lassen. Sie haben sich damit beschäftigt die Sehkraft in jeder möglichen Weise zu messen (worauf bereits die Endung ­metrist hinweist). Im Verlauf ihrer Arbeit waren sie gezwungen den Einfluss anzuerkennen, den die psychologischen Umstände hier ausüben; sie haben sich auseinander gesetzt mit dem Thema Stress und Reaktionen auf Stress, besonders hinsichtlich der entgegengesetzt wirkenden Pole des vegetativen Nervensystems: Sympathikus und Parasympathikus. Die Ergebnisse stimmen weitreichend mit denen der Bioenergetik (siehe unten) überein und lassen viele Dinge im Detail verstehen. Auch hat ihre Forschung gewisse Aspekte der Bates Methode unterstützt und andere widerlegt. Dies wiederum hat sie zu einer Annäherung an die Frage geführt, wann optische Linsen eingesetzt werden sollten beziehungsweise wann nicht und weiterhin zur Entwicklung von Sehübungen, die sich von den gebräuchlichen Bates-Übungen unterscheiden. Meiner Meinung nach stellen sie eine wichtige Verbindung zu den etablierten Kreisen dar. Ihre Literatur ist interessant (wenn auch offensichtlich schwer zu lesen!) und einige unter ihnen sind relativ offen für die Beiträge, die von unserer Seite kommen, obwohl die ,American Association' offiziell immer eine ablehnende Haltung gegen Bates und seine Nachfolger eingenommen hat und sogar rechtlich gegen sie vorgegangen ist. Da die ,behavorial optometrists' im allgemeinen auch Optiker sind, kann es in vieler Hinsicht hilfreich sein eine gute Beziehung zu ihnen zu haben, wenn man sich im Westen und vor allem in Europa mit dem Thema Augen beschäftigt.

- Letzter Hinweis: Wissenschaft, wissenschaftliche Zeitschriften, brillante Forscher, neue optische Instrumente... Es gibt unzählige Beiträge und man verliert sich sehr leicht darin. Und ebenso leicht hängt man sich zu sehr an Wörtern, Konzepten, Ideen und Theorien auf (siehe Digitalisierung im Kapitel ,Kanäle der Wahrnehmung').

 

Bates und der erzieherische Aspekt

Ich werde oft gefragt, ob ich die Bates-Methode anwende. Das ist ein wenig so, als fragte man einen Physiker, ob er ein Anhänger Einsteins sei oder einen Bioenergetik-Therapeuten, ob er die Lehren von W. Reich anwende. Weil meine Arbeit sich auf das Sehen bezieht, wird dies in der Phantasie der meisten gleichgesetzt mit Bates-Methode.

Jedoch existiert auch ein nicht Batesianisches Sehtraining, jenes, das das persönliche Verhalten mit einbezieht; und dann gibt es noch unzählige weitere Beiträge (wie auf diesen Seiten näher erläutert), die es zu berücksichtigen gilt.

Eins muss sofort erwähnt werden: die Bates-Methode ist eine extrem reiche, praxisbezogene Methode, der es oft nicht gelingt, das, was sie tatsächlich tut, auch in angemessener Weise zu erklären. Dies war die Ursache die Negierung dieser Methode seitens der medizinischen und optometristischen Kreise. Ihre Resultate fanden keinerlei Wertschätzung: bis zum heutigen Tag herrscht die Einstellung vor, der Jahrhunderte zuvor bereits Galileo begegnen sollte: die Autoritäten weigern sich die Resultate zu "sehen", wenn es keine Theorie gibt, um diese zu erklären oder die Theorie mangelhaft ist oder den allgemein akzeptierten Ideen widerspricht.

Bates hatte sich überzeugt, dass bei der Akkomodation ( Anpassung an nah und fern) nicht ausschließlich und nicht hauptsächlich der Ziliarmuskel interveniert, wie in der ortodoxen Augenheilkunde gesagt wird, sondern viel eher die gesamte Augenmuskulatur involviert ist.

Also, ich selbst habe mich Fällen gegenüber gesehen, die, obwohl ich in diesem Fall mit der Augenheilkunde übereinstimme, nur anhand von Bates Hypothesen erklärt werden können (3).

Dennoch, jenseits seiner (immensen) Verdienste, möchte ich bezüglich der Grenzen von Bates Arbeit auf zwei bestimmte Aspekte hinweisen:

1) das Fehlen von Gruppenarbeit und somit von Situationen, die einen Übergang ins Alltagsleben ermöglichen.

2) eine Überbewertung (im übrigen in unserer gesamten Kultur und unserem ganzen Lehrmodell verbreitet) der Sehfähigkeit in Verbindung mit dem Lesen im Vergleich z.B. zu der Fähigkeit sich schnell bewegende Objekte zu verfolgen und Entfernungen bzw. Geschwindigkeiten einzuschätzen und auch zu Gleichgewicht und Orientierungsvermögen, Koordination von Augen und Händen, zu Körperbewegungen, peripherem Sehen und emotionalem Kontakt über die Augen (4).

Heute sind im theoretischen und technischen Gepäck der modernen Bates-Nachfolger im allgemeinen Elemente enthalten, die aus der Gestalt-Psychotherapie (5) , der Bioenergetik sowie der Kinesiologie und der Feldenkrais-Methode kommen. Viele bedienen sich auch der verschiedenartigsten Techniken der gesamten New Age Palette: Yoga, Qi Gong, Aura Soma, Bachblüten etc. etc.

Nicht nur Bates, sondern auch seine Anhänger haben Ausschluss, Verleumdung und nicht enden wollende Rechtsverfahren erleiden müssen. Und in den USA riskiert derjenige, der zum Beispiel unter der Bezeichnung Optiker in dieser Form arbeitet, auch heute noch zum Objekt von Verfolgungen zu werden (6).

 

Die Körperenergie als Ansatzpunkt

Im Gefolge Wilhelm Reichs hat die Bioenergetik viele nützliche Beiträge geleistet.

Einer davon ist die Erkenntnis, dass verschiedene Charaktere verschiedene Körper herausbilden und somit verschiedene Augen und verschiedene Arten zu sehen. Lowen hat sechs Hauptcharaktere definiert (oral, schizoid, masochistisch, psychopathisch, rigid und hysterisch), Modelle, die für das Verständnis der menschlichen Reaktionen nützlich sind. Dieses Modell kann insofern erweitert werden, dass es auch die verschiedenen Arten des Sehens beinhaltet und sie somit nicht mehr als Krankheiten betrachtet werden, sondern als Teile des eigenen Charakters, als persönlicher Stil die Existenz zu betrachten (Lowen, Kelley und seit kurzem Shapiro haben viel über die Augen zu sagen; Bernasconi hat weitgehend die Verbindung zwischen Charakteren und Farben entwickelt).

Die Bioenergetik hat auch im Detail den Energiefluss innerhalb des Körpers studiert und gleichzeitig die Blockaden, die diesen Fluss verhindern können und hat kraftvolle Methoden entwickelt, um ihn wieder herzustellen. Einige dieser Methoden können zeitweise entscheidende Ergebnisse herbeiführen bezüglich der Art und Weise, in der eine Person sieht, sowohl wörtlich genommen als auch metaphorisch. Um diese Veränderungen dauerhaft zu machen, ist es wichtig sie als positive Veränderungen zu empfinden (und hierzu gehört es, sich mit den eigenen Überzeugungen zu beschäftigen) und ebenso ist es wichtig, dass sie im erzieherischen Sinne unterstützt werden (und hierzu gehören das Ausprobieren, Übungen und die allgemeine Unterstützung durch andere).

Mehrere Konzepte, die aus der Bioenergetik stammen sind sehr hilfreich bei der Arbeit an und mit den Augen. Das eine ist das Konzept des Pulsierens. Der Atem zum Beispiel pulsiert, das Einatmen und Ausatmen sollten auf natürliche Weise aufeinander folgen, doch dieser Mechanismus kann gestört sein. Menschen, die versuchen andere zu kontrollieren, neigen dazu den Atem anzuhalten und ihn nie vollständig hinausströmen zu lassen (dies ist der Fall bei einigen Weitsichtigen). Menschen, die Angst haben, neigen dazu so wenig und oberflächlich wie möglich zu atmen (dies ist oft der Fall bei mittlerer und starker Kurzsichtigkeit).

Ein Pulsieren kann man auch in den Augen sehen, etwa vom aktiven Schauen (nach außen gerichtet, um etwas zu greifen oder abzulehnen) hin zum passiven Sehen (empfangend, das Außen hinein lassend), oder vom Sehen in der Nähe hin zum Sehen in die Ferne, vom Blick, der in einer wissenschaftlichen Haltung auf ein Objekt gerichtet ist hin zum Blick, der sich in kontemplativer Weise weit öffnet, usw.

Dahinter steht der Gedanke, dass es Freiheit mit sich bringt, wieder fähig zu sein ungezwungen zwischen zwei Polen zu pulsieren und auch die Möglichkeit eines erweiterten Bewusstseins (siehe oben).

Es gibt noch eine weitere Idee, die aus diesem Bereich stammt (insbesondere von H. Laborit) und die ich als nützlich empfinde. Sie sieht so aus:

Sieht sich der Mensch/das Tier einer Stress auslösenden Situation gegenüber (Gefahr, Problem oder was auch immer) hat er/es im Prinzip zwei Möglichkeiten: Kampf oder Flucht (fight or flight).

Nimmt man ein Tier, bringt es in eine stressreiche Situation und verhindert beide Möglichkeiten, wird es neurotisch werden. Das bedeutet, das es noch immer probieren wird dieses unlösbare Problem zu lösen und dass es versuchen wird zu kämpfen oder zu fliehen, jedoch nicht direkt mit Hilfe seines Körpers. Die meisten dieser neuen, extremen Strategien werden nicht funktionieren oder sind vielleicht selbstzerstörerisch, aber das Tier muss es dennoch versuchen.

Ein weiterer grundlegender Instinkt, dem Welpen und Babys folgen, wenn sie offensichtlich nichts anderes tun können, ist folgender: sie erstarren!

Und oft funktioniert es, denn viele Jäger können ihre Beute nicht sehen, wenn sie sich nicht bewegt (ihr habt das sicherlich schon bei Katzen beobachtet, die irgendeinem sich bewegenden Objekt folgen: wenn sie es nur für einen Moment verlieren und das Objekt sich in diesem Moment nicht mehr bewegt... können sie es nicht mehr finden).

Schließlich gibt es eine vierte Antwort, eine Reaktion auf Stress im positiven Sinne: Hole es dir! Hier geht es um das aufregende Gefühl, das die Beute bei einem jagenden Tier auslöst und die natürliche Antwort auf alles, was für uns attraktiv sein kann im Sinne von direkter Freude, Belohnung usw.

Als Tiere sollten wir also fähig sein, je nach Situation nach einem der vier Grundmuster zu reagieren, aber... unsere gesamte Erziehung führt zwangsläufig zu einer Veränderung dieser natürlichen Reaktion; die Schule zum Beispiel hindert uns daran dem zu folgen, was uns Spaß macht, und hindert uns auch daran zu fliehen (nicht nur, dass wir nicht mit den Gedanken abschweifen dürfen, wir können noch nicht einmal aus dem Fenster schauen!). Und natürlich können wir auch nicht körperlich gegen unsere Lehrer kämpfen.

Wenn also der Stress zu groß wird, ist es möglich, dass wir kurzsichtig werden und gewissermaßen erstarren und uns zurückziehen, eine Art Flucht nach innen antreten oder dass wir weitsichtig werden (mit schnellen Blicken, die von hier nach da springen), was einer Art Flucht nach außen gleichkommt und einer Vorbereitung auf den "Kampf". Das kurzsichtige Kind wird im Laufe der Zeit ein fleißiger Schüler mit wenig Phantasie werden. Das weitsichtige Kind ist im allgemeinen ein fauler Schüler, hat aber immer eine Antwort parat, ist lebendig und kreativ und kommt daher meist gut klar in der Schule.

Also wäre es hervorragend, wenn wir unsere verloren gegangenen Fähigkeiten wieder neu erleben und erfahren könnten. Kurzsichtige Menschen können vom Leben etwas über das Kämpfen lernen: zum Beispiel stehen sie zur Verfügung, um mit einem schwierigen Text oder einem schwierigen intellektuellen Problem zu kämpfen. Aber sie werden dazu neigen das Fliehen als eine sehr beschämende Möglichkeit zu betrachten; auch kann es sein, dass sie tief im Inneren glauben, dass nichts Gutes daraus entstehen kann, wenn man eine Sache nur aus Freude und Begeisterung heraus tut. Weitsichtige Menschen empfinden es als höchst entsetzlich einfach nur da zu sein und nichts zu tun, ohne zu fliehen oder zu kämpfen und sogar, wenn sie aktiv freudigen Dingen nachgehen, kann es sein, dass sie doch noch im allerletzten Moment der Sache entfliehen.

Der Gedanke dabei ist, dass, wenn wir eine reichere Auswahl an offenen Möglichkeiten haben anhand derer wir handeln können, wir dann unsere komplizierten Augenstrategien nicht mehr benötigen. Unsere Kurzsichtigkeit, unser Astigmatismus und Schielen, unsere Weitsichtigkeit werden zu einer Schutzmaßnahme, einer Anpassung werden, die wir nicht länger brauchen.

Die Bioenergetik hat viel dazu beigesteuert, dass Menschen mit ihren verloren gegangenen Fähigkeiten (mit Angst, Zorn, Zärtlichkeit und jeglichem anderen unterdrückten natürlichen Gefühl) experimentieren können, indem sie ihnen Ausdruck verleihen.

In Wirklichkeit gibt es neben den vier oben genannten noch eine fünfte Art und Weise einer Situation zu begegnen, genau gesagt geht es darum auf die Situation zu antworten, anstatt darauf zu reagieren und dies ohne Stress, indem man es leichtnimmt, indem man berücksichtigt, was die Situation erfordert und auch unsere eigenen Bedürfnisse, die relative Bedeutung von Zielen, usw.: im Hier und Jetzt sein mit einem Blick, der für alles offen ist. Dies sprengt den Rahmen der Therapien und hat viel mit Bewusstsein und Meditation im allgemeinen zu tun und mit dem, was wir in bezug auf das Sehen als weiches Sehen bezeichnen.

 

Kanäle der Wahrnehmung

Wir nehmen die Welt in uns auf, nehmen sie wahr, denken über sie nach, ordnen unsere Ideen über sie anhand unserer verschiedenen Sinne. Wir haben viele Sinne, doch die wichtigsten sind: sehen, hören, fühlen (welches aufgeteilt ist in Propriozeption, die Empfindungen von warm, rauh, kribblig usw. und Kinesthesie, das Gefühl von Bewegungen im Raum einschließlich des Gleichgewichtssinns), sowie riechen und schmecken. In unserer Gesellschaft dominiert bei weitem das Sehen, doch gilt dies nicht für alle Personen und auch nicht für andere Kulturen. Viele Menschen denken nicht in Bildern, sondern orientieren sich mehr an Geräuschen und andere wiederum richten sich nach dem, was sie fühlen. Lasst mich ein Beispiel geben:

Beim Erlernen von Massagetechniken wird der visuelle Typ durch das Zuschauen lernen, der akustisch orientierte Typ wird Erklärungen benötigen und für den auf das Fühlen ausgerichteten Typ ist es wichtig die Bewegungen nachzuahmen und mit den Händen auszuprobieren. Auch werden sie eine andere Wortwahl treffen, wenn sie etwas beschreiben. Der visuelle Typ wird Ausdrücke wie: "So wie ich es sehe..." benutzen, der akustisch orientierte Typ wird sagen: "Für mich hört sich das nicht gut an", während der auf das Fühlen ausgerichtete Typ eher Ausdrücke wählt wie: "Die Sache packt mich nicht so sehr, da fehlt der richtige Anreiz".

Dann gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Menschen, die digital werden. Das passiert bei Personen, die sich mehr und mehr von ihren Sinnen distanzieren und ihren Verstand um Wörter, Konzepte und Abstraktionen herum organisieren. Diese Personen werden sich sehr intellektuell ausdrücken und wenige oder gar keine Wörter benutzen, die sich von einer direkten Sinneswahrnehmung ableiten. Sie werden glauben Massagen zu kennen, weil sie darüber gelesen haben.

Auf dieser Basis haben Waszlawicz und Arnold Mindell mit NLP (Neuro-linguistisches Programmieren) eine Reihe von praktischen Werkzeugen entwickelt.

Ich möchte hier ein wenig mit diesen Konzepten spielen. Die erste Frage, die mir in den Sinn kommt:

- Sind Menschen mit Sehproblemen blinden Menschen ähnlich? Können wir sie als halb blind betrachten? (So zu denken würde beinhalten, dass wir Sehprobleme als eine Art Krankheit betrachten, ähnlich der Blindheit doch weniger gravierend).

Die erstaunliche Antwort lautet: keinesfalls! Menschen mit Sehproblemen sind sehr stark visuell orientiert, sie neigen dazu die Sensibilität im Bereich des Hörens zu verlieren (keine musikalische Begabung, kein Feingefühl für die Wechsel von Tonfall und Rhythmus einer Stimme), schwache Koordination von Bewegungen, und sie achten wenig auf die Botschaften, die der Körper ihnen schickt. Blinde Menschen hingegen haben einen sehr ausgeprägten Gehörsinn, sie unterscheiden und erkennen die Natur von Tönen, ihre Entfernung und Richtung. Sie können mit Hilfe ihres höchst ausgebildeten Gefühlssinns sogar die Gegenwart von entfernteren Gegenständen wahrnehmen.

- O.K., wir haben festgestellt, dass Menschen mit Sehproblemen die Tendenz haben, besonders einseitig zu sein hinsichtlich ihrer Abhängigkeit vom Sehen, na und?

Das Ganze hat Konsequenzen. E.J. Berendt hat sich ausführlich hierzu geäußert. Unter anderem entsteht ein tiefes Gefühl der Trennung, wenn man sich nur auf die Sehfähigkeit verlässt, eine Trennung zwischen mir und der Welt da draußen und zwischen den Dingen, die ich wahrnehme. Dies wiederum führt zu dualistisch geprägten Haltungen wie derjenigen von Mensch versus Natur sowie zu wissenschaftlichem und kaltem Beurteilen. Der Verstand ist stimuliert, das Herz jedoch nicht. Bedeutungen werden sehr wichtig im Sinne von Ursache und Zweck. Dies öffnet die Tür zum nächsten Schritt, durch den man den Kontakt zum Ganzen verliert: ,Digitalisation'. Bedeutungen werden immer mehr in Wörtern und abstrakten Konzepten gefunden, die sich gegenseitig unterstützen.

Genau dies ist es, das Menschen mit Sehproblemen widerfährt: von einer starken visuellen Orientierung aus rutschen sie leichter in die ,Digitalisation': nach und nach verlieren sie die Sensibilität für bestimmte Einzelheiten und bestimmte Sehfähigkeiten und ihr Verstand wird sich immer weniger anhand visueller Wahrnehmung orientieren und dafür mehr anhand von Wortsequenzen.

Für das Sehtraining in Gruppenarbeit bedeutet dies konkret:

1) Es ist wichtig zu lernen auch die anderen Sinne zu benutzen (Hören mit geschlossenen Augen, Körperwahrnehmung, Wahrnehmung von Bewegungen). So erhält das Leben wirklichen Sinn (Liebe, Tanzen, Musik, Poesie) und es entwickelt sich ein intuitiveres und kreativeres Wesen.

2) Es ist wichtig fähig zu sein die eigenen Sinne zu koordinieren (das Geräusch der Autos hören, die Entfernung und Geschwindigkeit einschätzen, Kopf und Augen herumdrehen, mit einem Blick die noch fehlenden Informationen auffangen und erfolgreich aus dem Weg springen!)

3) Visuell orientierte Menschen müssen auch die visuellen Submodalitäten (man kann sie auch als Dimensionen des Sehens oder als Gestalt bezeichnen) wiedererlangen und integrieren, da sie dazu neigen diese zu verlieren.

Viele Disziplinen basieren auf der Integration der verschiedenen Wahrnehmungskanäle. Das gleiche trifft für mehrere Meditationstechniken zu. Sie können beim Trainieren der Augen benutzt werden, aber es gilt einige Einzelheiten zu beachten. Lasst mich ein Beispiel bringen, das für jeden Betroffenen offensichtlich ist: Tanz als Mittel der Integration funktioniert nicht, solange eine Brille dabei getragen wird. Der Mangel an peripherem Sehen schafft die Möglichkeit von kleineren Unfällen, zum Beispiel, dass man andere anstößt. Diejenige Person wird dann die Tendenz haben, sich nicht vom Fleck wegzubewegen, Arme und Beine nicht zu gebrauchen und möglicherweise nicht einmal auf die Musik zu achten. Auf der anderen Seite wird sie ihre Augen überbeanspruchen, um die anderen zu sehen.

 

Überzeugungen und Erfahrungen

- Ich habe wenig Gewalt über mein Leben. Unfälle, andere Menschen und sogar mein Unterbewusstsein entscheiden zu 90 % über mein Leben.

- Mein Körper ist schwach und anfällig für Unfälle. Er muss ständig beschützt werden.

- Das Leben ist ein einziges Trauma. Jede große Veränderung, wie etwa die Geburt eines Kindes, wird ihre Auswirkungen auf mich haben und permanente Narben in meinem Leben hinterlassen.

- Leben bedeutet Leiden. Wir müssen uns wehren und vorankommen.

- Das Leben ist ein Wettbewerb. Und nur Gewinnen ist von Bedeutung.

- Geld ist Leben. Entweder habe ich Geld oder ich bin ein niemand.

- Ich kann mich auf meine Gefühle nicht verlassen, sie führen mich in die Irre.

- Ich kann mir selbst nicht vertrauen. Etwas ist grundsätzlich falsch an mir (vielleicht liegt es an meinen Genen) oder ich habe einfach kein Glück.

- Ich kann anderen nicht vertrauen ­ sie werden mich betrügen. Jedoch kann ich die anderen weder kontrollieren noch kann ich verhindern, dass sie Macht über mich ausüben.

Wir alle teilen einige der oben genannten Überzeugungen. Wir haben sie von unseren Eltern übernommen, sie durch unsere Erziehung aufgesogen und sie sogar zur letztendlichen Deutung einiger unserer Erfahrungen benutzt.

Es erübrigt sich zu sagen, dass sie eine auf einen Punkt konzentrierte, ernste Sichtweise darstellen, bei der nur ein Aspekt des Ganzen berücksichtigt wird, der dann auf die gesamte Szenerie projiziert wird. Es sind sehr einseitige Überzeugungen.

Bei der Arbeit mit Menschen mit Sehproblemen besteht ständig das Gefühl, dass eine Reihe spezieller Überzeugungen ungewöhnlich stark ausgeprägt sind: sie zu betrachten und sie zu verändern (wenn es an der Zeit ist) scheint eine solch unmögliche (wenn nicht unmoralische) Aufgabe zu sein! Vielleicht erklärt sich diese Schwierigkeit dadurch, dass gewisse Überzeugungen durch eine lange Reihe von starken und bedeutungsvollen Erfahrungen noch verstärkt wurden. Daher scheinen sie die reine Wahrheit darzustellen, etwas Wertvolles, das bewahrt werden muss, obwohl die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie eigentlich das Ergebnis von Missverständnissen und Missinterpretationen sind.

Wir sollten uns einmal ansehen, wie es einem Kind häufig in der Schule ergeht. Dies ist der Prototyp der Entwicklung von Kurzsichtigkeit.

Wenn ein Kind mit einer neuen Situation konfrontiert wird (egal mit welcher), kann dies ein gewisses Maß an Stress auslösen. Der Stress kann sich erhöhen, wenn es empfindet, dass etwas von ihm erwartet wird, dass seine Eltern von ihm erwarten gut in der Schule zu sein, wenn es anschließend feststellt, dass die Menge an Liebe, die seine Eltern ihm geben und das Gefühl akzeptiert zu werden proportional abhängig sind von den erbrachten "Ergebnissen".

In der Schule gilt es viele fremde Begriffe zu lernen und vor allen Dingen diese spezielle visuelle Fähigkeit, die man als Lesen bezeichnet. Stell dir vor du wärest ein kleines Kind in der ersten Klasse: immer wieder bist du gezwungen, deine Aufmerksamkeit auf diese seltsamen Buchstaben zu richten und sie sehen gewiss nicht sehr freundlich aus. Dann ist die Tafel ein weiterer Platz, auf den du nicht gerne schaust und vielleicht sieht auch der Lehrer nicht besonders anziehend für dich aus. Wenn du in Stress gerätst, z.B. weil du etwas nicht verstehst, weil du gelangweilt bist usw., versuchst du vielleicht zu fliehen indem du mit den Gedanken abschweifst, schwätzt, nach draußen siehst oder sogar einschläfst. Aber wenn du direkt gefragt wirst, kannst du nicht fliehen: "Lies vor, was an der Tafel steht!" Und du stellst fest, dass du dich gelähmt fühlst (du erstarrst) und dass du beginnst verschwommen zu sehen (denn auch deine Augen sind wie gelähmt).

Die Lehrer neigen dazu eins zu tun, wenn sie diese Zeichen an dir bemerken: sie setzen dich in die erste Reihe, damit sie dich im Auge behalten können.

Jetzt wird das Fliehen wirklich schwierig für dich; du kannst nur das tun, was sie wollen. Du kannst nicht fliehen, du kannst nicht kämpfen, du kannst nicht dem nachgehen, was dir Spaß macht, du kannst dich nur anpassen oder erstarren (dennoch hast du noch einen ganz ganz kleinen Spielraum, um gedanklich zu entfliehen; wenn du nämlich verschwommen siehst, ist dein Geist nicht komplett von dem dominiert, was du vor dir hast)

Wenn du einen Ausgleich findest oder einen Weg dich anzupassen und dies möglichst schnell, wird dein Stressgefühl auf ein erträgliches Niveau absinken. Aber es ist möglich, dass der Stress noch größer wird, zum Beispiel, weil du jetzt dem Lehrer noch näher bist. Und dann wird folgendes geschehen, dass du nämlich nicht nur erstarrst, sondern dich auch innerlich zusammenziehst, und wieder wirst du ganz verschwommen sehen (dies ist das erste Stadium der Kurzsichtigkeit, das direkt mit einer Stresssituation in Verbindung steht). Jetzt wird sich das Drama nach einem festgelegten Muster aufrollen. Der Lehrer wird beginnen sich Sorgen zu machen (und das merkst du). Er/sie wird einen Sehtest für dich arrangieren oder mit deinen Eltern sprechen. Deine Eltern werden sich große Sorgen machen (und auch das spürst du sehr wohl). Dieses schleichende Gefühl, das etwas mit dir nicht stimmt, welches bereits durch deine Lernschwierigkeiten und die Verstimmung deiner Eltern aufgekommen war, wird nun zur Gewissheit. Wenn der Moment des Sehtests herannaht, stehst du wirklich unter Stress und du siehst ganz offensichtlich schlecht. Dann erhältst du das Ergebnis:

"Ja, es stimmt tatsächlich etwas nicht mit dir und insbesondere mit deinen Augen", das ist die große Wahrheit Nummer eins.

"Es gibt (so gut wie) nichts, dass du dagegen tun kannst" (Nr. 2)

"Sie (die anderen) können es in Ordnung bringen, mit einer Brille" (Nr. 3).

"Klar sehen zu können (z.B. Buchstaben aus einer Entfernung von 3 Metern lesen) ist etwas extrem Wichtiges" (Nr. 4).

Und jetzt pass gut auf, denn es ist möglich, dass du, wenn du wirklich eine solche Erfahrung gemacht hast, einige Teile deines Gedächtnisses gelöscht hast.

Wenn du die neue Brille bekommst, dann passiert eins, nämlich dass du jetzt in der Lage bist die Tafel klar zu sehen, auch wenn du unter Stress stehst. Wo ist der Gewinn? Aus deiner ganz persönlichen Sicht gibt es keinen: wenn du gestresst bist, bist du gestresst; unglücklich sein ist und bleibt unglücklich sein, ob du klar siehst oder verschwommen. Und nicht nur das: jetzt ist der Gegenstand, der den Stress in dir auslöst, nicht mehr verschwommen, sondern schmerzhaft klar. Das bedeutet, dass jetzt sogar dieser Fluchtmechanismus (die Dinge verschwommen zu sehen) nicht mehr gegeben ist. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit mehr und wird nie wieder eine geben! (große, absolute Wahrheit Nr. 5) (siehe Kapitel "Die Körperenergie als Ansatzpunkt" zum Thema Flucht als eine der grundlegenden Reaktionen auf Stress).

Aber aus ihrer Sichtweise heraus läuft alles sehr zufriedenstellend: sie sind unglaublich erleichtert! (Auch, weil sie tief im Innern den Verdacht hatten, es sei ihre Schuld). Sie haben einen Schuldigen gefunden (deine Augen) und haben eine Lösung für ihr Problem gefunden (eine Brille für dich).

Also werden sie ihre Haltung dir gegenüber ändern: letztendlich warst du nicht ganz allein schuld an all diesen Schwierigkeiten (sie lieben dich wieder, deine Eltern und die Lehrer). Jetzt kannst du wieder die Tafel lesen und somit bist du für sie völlig OK.

Das bedeutet, dass es wieder Hoffnung für dich gibt. Wenn du möchtest, dass die anderen mit dir zufrieden sind, dass sie dich akzeptieren, dann weißt du jetzt, was du zu tun hast: lernen und immer klar sehen, was auch immer deine Gefühle und Empfindungen sein mögen (der Schmerz, Gegenstände klar sehen zu müssen, die Stress verursachen, wird mit der Zeit unbewusst). Von hier stammt die Zwangsvorstellung des klaren Sehens bei Kurzsichtigen. Wenn sie es zulassen wieder verschwommen zu sehen, könnte die Hölle von damals wieder zurückkommen! (Achte darauf, inwieweit verschwommen sehen gleichgesetzt war mit "nicht klar sehen" = Schmerz empfinden und nicht wissen warum, und "klar sehen" hingegen bedeutet, dass du verstehst oder zumindest glaubst die Situation besser zu verstehen und es bedeutet immer mit absoluter Schärfe zu sehen).

Das kleine Mädchen oder der kleine Junge wird bereitwillig die Brille akzeptieren, da sie auf magische Weise die ganze Situation mit den Eltern und Lehrern verändert hat.

Natürlich gibt es auch negative Konsequenzen. Es ist schwieriger mit anderen Kindern zusammen zu sein: vielleicht ziehen sie dich auf und es ist auch schwieriger zusammen zu spielen, vor allem beim Rennen, beim Ballspiel usw. Das miteinander Kommunizieren wird dadurch behindert, dass die Brille deinen Gesichtsausdruck versteckt. Du wirst merken, dass du langsamer bist, weniger räumliche Wahrnehmung hast, schlechter Dinge koordinieren kannst und weniger attraktiv bist als andere Kinder (ausdrucksloser, weniger attraktiv und ungeschickt: was wird daraus entstehen, wenn das Kind zum Teenager wird?).

Es gibt nur einen Bereich, der für dich offen ist und das ist der Bereich des Lernens. Und Lernen bedeutet Lesen, die Augen über lange Zeiträume auf kurze Entfernungen ausrichten, sie Tag für Tag darin trainieren in der Nähe zu sehen und auf eine nur zweidimensionale Oberfläche gerichtet zu sein, ihren Blickwinkel zu reduzieren und zu starren. Im Laufe der Zeit wird das die Form der Augäpfel verändern: sie werden länglicher und somit wird die Kurzsichtigkeit auch zu einem strukturellen Zustand deiner Augen.

Dennoch, wenn du deine Augen anstrengst, um sie ständig auf die Nähe einzustellen, tust du etwas, das dir eine gewisse (indirekte) Belohnung einbringt, während du in jedem anderen Bereich und jeder anderen Situation zwangsläufig immer mehr deine Unterlegenheit spüren wirst. Aus diesem Grund können wir von der Kurzsichtigkeit als einer Reihefolge von Entscheidungen sprechen, basierend auf tief verankerten Überzeugungen, bei der jede neue Entscheidung die alten noch weiter verstärkt.

Die ursprüngliche Überzeugung "es stimmt etwas nicht mit mir" ist dank jahrelanger Konditionierung zur Wirklichkeit geworden. Jetzt bist du in vielfacher Weise unterlegen (genau genommen hinsichtlich all der Aspekte des Sehtrainings, die du hast fallen lassen). Dies zu erkennen ist doppelt schmerzhaft, denn dadurch würdest du die ursprüngliche Entscheidung, ein braves Kind zu sein und deinen Eltern zu gefallen, und auch alle nachfolgend getroffenen Entscheidungen verraten. Also wird dies alles unbewusst. Von Zeit zu Zeit taucht es wieder auf in der Form von Sturheit, Negativität, Bedürfnis nach Anerkennung usw.

Der Weg, dem weitsichtige Kinder folgen, ist unterschiedlich und ich werde hier nicht auf die Details eingehen. Von Anfang an versuchen sie Wege zu finden nach außen zu fliehen (nicht lernen, lügen, gelegentlich rebellieren). Und daher sind ihre Überzeugungen verschieden. Auch ist es möglich, dass bei vielen Kindern die Weitsichtigkeit gar nicht bemerkt wird.

Überzeugungen erkennen und an ihnen arbeiten ist heute einfacher geworden. Es wurden viele Techniken entwickelt, Gestalt, Primal, NLP und andere, darunter auch die Kinesiologie. Und aus allen diesen Bereichen werden von Zeit zu Zeit Verbesserungen der Sehfähigkeit genannt. Aber, wie ich an dem obigen Beispiel versucht habe zu erklären, sind im Falle der Augen die Schichten der Überzeugungen sehr komplex. Für all die genannten Disziplinen könnte es ihrerseits sinnvoll sein, die Erfahrung der Sehtrainer in ihren Ansatz zu integrieren.

 

Kontakt und Blickkontakt

Mit den Augen können wir Kontakt mit der Realität aufnehmen, uns aus ihr zurückziehen, ihr entfliehen, uns ihr aggressiv entgegenstellen, sie willkommen heißen, sie aufnehmen, sie aussaugen, sie leugnen usw. Alle diese Vorgänge können sich äußern in einer ganz bestimmten Art zu schauen, zu starren, Blicke auf etwas zu werfen usw. Einige dieser Vorgänge erfordern vielleicht eine länger anhaltende Anpassung der Augen und bringen daher auch das mit sich, was wir als Sehprobleme bezeichnen (es wäre besser von einer fixen Art und Weise des Sehens zu sprechen). Wir können auch über andere Kanäle Kontakt mit der Realität aufnehmen (dieser Teil wurde weiter oben behandelt).

Der Augenkontakt mit anderen Menschen ist ein wesentlicher Teil des visuellen Kontaktes überhaupt. Denn schließlich war er Bestandteil unserer aller ersten Seherfahrungen: die Augen unserer Mutter waren das erste, das wir in der Lage waren von all dem übrigen zu unterscheiden. Und in fast allen Fällen geschah dies in Verbindung mit Ernährung und Hautkontakt. Auch für sich gesehen gaben uns die Augen der Mutter eine Art Nahrung, indem sie das Gefühl übermittelten, dass wir akzeptiert waren und die Dinge so richtig waren, dass alles okay war.

Aber natürlich kann dieser Mechanismus gestört sein. Vielleicht ist die Mutter nicht fähig Liebe zu vermitteln, vielleicht kann sie nicht da sein und dich berühren, wenn du es brauchst, es ist möglich, dass sie dich nicht stillen kann oder dass sie es nicht gern tut (und du wirst dies spüren) oder dass sie dich nicht oder nicht liebevoll ansieht. Wenn eines dieser Dinge geschieht, steigen Zweifel auf; es entsteht Trennung und etwas ist nicht in Ordnung: entweder bin ich nicht in Ordnung oder die Welt (sprich die Mutter). Und fast immer erscheint es logischer zu sein für das Kind, dass etwas mit mir nicht in Ordnung ist.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden mehr Augenkontakte hinzukommen, vor allem mit Erwachsenen (Papa, Verwandte, Lehrer) und aus dem ursprünglichen Nicht-Kontakt mit den Augen der Mutter können sich zwei neue Möglichkeiten entwickeln, mit den Augen Kontakt aufzunehmen (und im allgemeinen mit der Welt über die Augen in Beziehung zu treten): die eine Betrachtungsweise heißt "ich gegen sie" und die andere "sie gegen mich". Die erstere enthält die Bereitschaft entweder zu fliehen oder zu kämpfen sowie die Tendenz zu urteilen und zu projizieren und gleichzeitig auch die Unfähigkeit das zu sehen, was mir nah ist (tief im Inneren weiß ich noch, dass ich es bin, mit dem etwas nicht stimmt und dies möchte ich nicht sehen). Hieraus kann sich dann Weitsichtigkeit entwickeln. Die Haltung "sie gegen mich" führt zu Schüchternheit, Schwierigkeiten anderen zu begegnen, Selbstprojektionen und Rückzug, auch in visueller Hinsicht. Hieraus kann dann Kurzsichtigkeit entstehen. Es versteht sich von selbst, dass beide Wege übertriebene und dualistische Sehweisen sind.

Von diesem Ansatzpunkt aus gesehen besteht unser Ziel darin, wieder eine Haltung des "ich und sie" einnehmen zu können: am Anfang bedeutet dies lediglich sich einfach dabei zu entspannen in die Augen eines Partners zu schauen (in dem Bewusstsein, dass dabei Projektionen und Ängste aufkommen können). Mit der Entspannung kann es dann zu einem Gefühl von Gemeinsamkeit, Kommunikation und Genährtsein kommen. Wir legen unsere Masken ab, verzichten auf unsere Projektionen, als ob wir uns ganz nackt zeigten, und erlauben uns zu sehen und gesehen zu werden.

Ein weiterer Schritt besteht darin, das Bewusstsein (und Akzeptieren) für das gesamte Feld der Wahrnehmung zu öffnen, während weiterhin die Augen des anderen für uns das Zentrum der Aufmerksamkeit bleiben. Das kann uns nicht nur helfen unsere Art und Weise zu ändern, in der wir andere betrachten (und gleichzeitig unsere Sehprobleme korrigieren), es kann auch die Tür zu Liebe und Meditation öffnen.

Es versteht sich von selbst, dass mit einer Brille kein wirklicher visueller Kontakt entstehen kann... (und manche Menschen sind genau deswegen so von ihrer Brille abhängig, weil sie glauben sich vor visuellem Kontakt schützen zu müssen).

Es gibt ein spezielles Sehproblem, welches sehr viel mit Kontakt/Kontaktlosigkeit zu tun hat: Presbyopie. Generell wird sie als etwas betrachtet, das zwangsläufig jeden aufgrund des Alters trifft (sie wird auch als Altersweitsichtigkeit bezeichnet). Die Leute wissen, dass sie betroffen sind, wenn sie feststellen, dass sie Kleingeschriebenes nicht mehr aus kurzer Entfernung lesen können. "Ich werde alt; Ich muss mich damit abfinden und mir eine Brille besorgen: das passiert jedem, es ist ein natürlicher Prozess und es gibt nichts, was ich dagegen unternehmen könnte." Ich glaube, dass sie in Wirklichkeit nichts sehen möchten, was ihnen zu nah ist. In anderen Worten: sie möchten die Welt in einigem Abstand von sich halten, sie möchten sich nicht einlassen, sich nicht emotional auf etwas einlassen. Sie möchten kein Risiko, keine Gefühle erleben, sie möchten "ruhig bleiben", sich an die Ziele halten, die sie sich für ihr Leben gesetzt haben und keine Energien an etwas verlieren, das nicht wichtig ist: keine Musik mehr, keine Spiele mehr, kein Lärm, keine Liebe usw. Ich betrachte diese Haltung als ein Resultat langanhaltender sozialer Konditionierung. Jahre über Jahre einer globalen Konditionierung, sich immer zielgerichtet zu verhalten und alles abzulehnen, was nicht rational ist (das heißt eine starke Betonung der Bedeutung des Verstandes allem anderen gegenüber) werden früher oder später jeden dorthin bringen. Mit 40 Jahren sind wir dann steif, wir sind "alt". Wir mögen uns darüber beschweren, dass wir alt werden, aber alle unsere Entscheidungen gehen in diese Richtung. So werden die Barrieren, die wir zwischen uns und der Welt errichten, immer unbeweglicher (wie unsere Augen und unser Starren). Dieser kühle starre Blick in die Augen der anderen ohne wirklichen Kontakt wird in der Geschäftswelt und im Umgang mit anderen als die "angemessene" Art des Verhaltens betrachtet. Besonderes finden wir dies vor in Großstädten und in "fortschrittlichen" Ländern wie den USA.

Wirklicher Augenkontakt kann uns helfen diese Barrieren zu durchbrechen; wirklicher Augenkontakt bedeutet die Öffnung des Herzens und die Fähigkeit andere zu berühren und von ihnen berührt zu werden. Er kann uns mit dem Leben und der Existenz in Verbindung bringen. Und dies bedeutet auch, dass unsere Altersweitsichtigkeit sich sanft auflösen wird, sobald wir Leben, Liebe und Lachen in unsere Augen bringen.

 

Liebe und Beziehungen

Wir alle benutzen Wörter wie Liebe, Verbindung, Beziehung und gehen davon aus, dass wir das Gleiche damit meinen und die gleichen Dinge empfinden. In der Tat jedoch sind diese Worte je nach Kultur, Charakter und "Sichtweise" unterschiedlich geprägt. Ich möchte hier mit Bezug auf die wichtigsten Sehprobleme, sprich Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit, verschiedene Tendenzen aufzeigen (bezüglich der Altersweitsichtigkeit lassen sie sich von dem oben Gesagten ableiten).

Weitsichtige Menschen können in der Nähe nicht gut sehen. Dies bedeutet, dass es schwierig für sie ist ihren Partner zu sehen und seine besonderen Eigenschaften, seine Individualität kennen zu lernen und zu akzeptieren. Ihre Augen und ihr Geist schweifen ständig weit ab: sie sind von Dingen und Ideen fasziniert, solange sie entfernt sind, aber sie können sie nicht wirklich greifen. Daher neigen sie eher dazu sich in ihre Vorstellung von einer Person zu verlieben als in die wirkliche Person. Im positiven Sinne können sie sehr viel Aufregendes in eine Beziehung einbringen, viel Phantasie und Veränderung. Aber die Tiefe der intimen Ich-Du-Beziehung wird schwierig für sie sein: sie können sich nicht für längere Zeit auf eine Sache konzentrieren, geschweige denn auf Intimität (d.h. nah sein und sehen). Sie geraten oft in Versuchung wegen einer anderen interessanten Sache zu entfliehen: Flirten ist daher eine häufig vorkommende Haltung bei der weitsichtigen Person.

Der entgegengesetzte Charaktertyp, der Kurzsichtige, wird die Tendenz haben, die Dinge sehr ernst zu nehmen und das oft auf dramatische Weise. Er/sie werden am Anfang Schwierigkeiten haben, eine Beziehung zu einem Partner aufzubauen. Im wahrsten Sinne des Wortes können sie jemanden nicht wirklich sehen, wenn er nicht ganz in der Nähe ist. Sobald sie dich gesehen haben, sind da möglicherweise viel Schüchternheit und Misstrauen sowie Versuche Emotionen zu vermeiden und rational zu bleiben (indem sie die Barriere der Augengläser zwischen euch aufrecht erhalten), aber sie werden sich auch stark auf dich konzentrieren. Eventuell wirst du wahrnehmen können, dass sie eine Menge von dir erwarten, dass du das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit bist und dass, was auch immer du tust, eine starke Auswirkung auf sie hat. Die Art, in der sie dich ansehen, gleicht einem Starren: sie halten einen konstanten Augenkontakt, ohne zu blinzeln und ohne wirklichen Ausdruck; es ist ein eher harter Blick: du magst dich untersucht und beurteilt fühlen, was oft der Fall ist (sie versuchen zu verstehen, ob sie dir trauen können oder nicht und finden oft nicht leicht eine klare Antwort. Tief im Inneren fühlen sie sich nicht wirklich des Interesses irgendeiner Person wert). Sogar wenn die Liebe hinzukommt, bleiben diese Eigentümlichkeiten bestehen. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf dich, sie starren, sie sind sich nie vollkommen dessen sicher, was sie sehen (sie sind nie sicher in bezug auf dich und das magst du als sehr störend empfinden!).

Alle diese Eigenschaften werden sie eher monogam sein lassen und es ist eine tiefe Intimität möglich. Sie sind gut darin alles, was ganz nah ist, im Detail zu sehen; so werden sie viel über ihren Partner und die Beziehung mit ihm erfahren. Dies kann die Beziehung wachsen lassen. Aber sie werden auch die Tendenz haben besitzergreifend zu sein: ihre Welt besteht aus "ich/du"-Beziehungen (oft "du gegen mich"), wobei sie auf einer Seite stehen. Sie können einfach nicht verstehen, dass du gleichzeitig noch andere Interessensgebiete hast, und wenn du sie hast, interpretieren sie es so, dass du ihnen keine oder zu wenig Aufmerksamkeit schenkst. Sie empfinden es als schwierig Probleme zu lösen, bei denen Dritte involviert sind: eine Ehefrau, um ein Beispiel zu nennen, kennt ihren Mann, sie kennt ihren Sohn, aber sie sieht nicht die Beziehung zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn, denn das würde beinhalten, dass sie zwei Objekte gleichzeitig sieht, was schwierig für sie ist. Aus dem gleichen Grund tendiert ein Kurzsichtiger dazu eifersüchtig zu sein und zu versuchen, den Partner von Freundesgruppen fern zu halten: er/sie sieht nicht die Gruppe, sieht bzw. versteht Liebe und Freundschaft nicht, wenn sie geteilt werden - wie in einer Gruppe -: denn dies würde eine Weite des Sehens erfordern, im Gegensatz zu dem zentral ausgerichteten Fokus, der die grundlegende Ansatzweise eines Kurzsichtigen darstellt.

Gruppen können von enormer Bedeutung für einen kurzsichtigen Menschen sein. In der Therapie können sie eine Art der Unterstützung und Anerkennung geben, die dabei helfen können das alte negative Selbstbild zu verändern. Aber dennoch werden kurzsichtige Menschen die Tendenz haben, die Unterstützung und Anerkennung durch eine Gruppe nicht zu sehen, selbst wenn diese vorhanden ist. Daher mögen sie für andere Mitglieder oft stur und undankbar erscheinen, wenn sie in ihrem Elend verharren, obwohl sie mit Zuneigung überhäuft werden. Einerseits kann dies mit ihren Schwierigkeiten erklärt werden überhaupt zu glauben, dass andere sie wirklich lieben und schätzen könnten; aber da ist auch die direkte Unfähigkeit, es - im wahrsten Sinne des Wortes - zu sehen. Sie brauchen Führung und Ermutigung bei der Wahrnehmung von Dingen, die in der Ferne und um sie herum stattfinden.

 

Externe "Heilmittel"

Es gibt zahlreiche Dimensionen der direkten Arbeit an den Augen (im Gegensatz zu der Arbeit mit den Augen), die sehr hilfreich sein können. Die erste ist die direkte Beeinflussung: Rebalancing und andere Massagetechniken können eine direkte Wirkung auf die Muskeln um die Augen herum haben. Sie können auch die Körperhaltung einer Person verändern und Veränderungen des Sehens herbeiführen: es gibt statistische Nachweise über die Beziehung zwischen Körperhaltung und Sehproblemen. Kurzsichtigkeit ist oft verbunden mit einem nach vorne verlagerten Körperschwerpunkt, bei Weitsichtigkeit ist es das Gegenteil; Unterschiede in der Sehschärfe von einem zum anderen Auge sind oft verbunden mit einem zur Seite geneigten Kopf usw. Die Craniosakral-Therapie kann Veränderungen der Position und Integration von Knochen, Nerven und feinen Muskelschichten innerhalb des Schädels bewirken. Die Behandlung von Wirbeln (chiropraktisch oder osteopathisch) kann ebenfalls zu einer veränderten Körperhaltung, einem besseren Funktionieren der Nerven usw. beitragen. Alle diese Techniken können auch Veränderungen der Einstellung mit sich bringen: Entspannung anstelle von Ängstlichkeit zum Beispiel.

Ich selbst arbeite mit Sensage, einer dem Rebalancing verwandten Art der Massage, und ich habe bei meinen Klienten entscheidende Ergebnisse bei der Verbesserung des Sehvermögens erreicht dank der herbeigeführten Entspannung und der Steigerung des Selbstwertgefühls. Akupunktur, Farbpunktur, Shiatsu, Reflexzonenbehandlung und Mikromassage können Einfluss haben auf die Energieströme, die zu den Augen geleitet werden (das Gleiche kann durch regelmäßige Selbstmassage der mit den Augen in Verbindung stehenden Punkte erzielt werden).

Es ist wichtig, dass all diese äußeren Veränderungen von einem Bewusstseinswachstum begleitet werden (siehe oben). Ansonsten gehen die Ergebnisse leicht wieder verloren, denn sie werden nicht zu einem wirklichen Teil von uns.

Das Gleiche gilt für Nahrung und Nahrungsergänzung. Eine bestimmte Ernährung kann etwa zur Kurzsichtigkeit beitragen (zu viel Zucker und Kohlenhydrate, nicht genug Ballaststoffe). Zwingen wir uns jedoch aus reiner Disziplin heraus zur richtigen Ernährungsweise, wird uns dies nur in Schwierigkeiten bringen... anstatt zu mehr Bewusstsein. Im Gegenzug können wirkliche Erkenntnisse hinsichtlich unserer Ernährungsgewohnheiten und der zugrundeliegenden Triebe bewusste Veränderungen herbeiführen (zumindest in der Betrachtungsweise). Warme Packungen, kalte Packungen, Kräuterbäder, Reissäckchen usw. sind ebenfalls angenehme Dinge für unsere Augen.

Alles, was wir bei der Arbeit mit und an unseren Augen tun können, kann angenehme Erfahrungen mit sich bringen und die Gelegenheit zu Erkenntnissen auf verschiedenen Ebenen bieten (so kann zum Beispiel die Idee eingeführt werden uns liebevoll um unsere Augen zu kümmern und es kann auch die Schwierigkeiten dies zu tun an die Oberfläche bringen). Also, Dinge mit ihnen auszuprobieren und die Augen in unseren Ansatz zu integrieren kann eine gute Idee sein.

Weiterhin gibt es eine Menge Dinge, die wir denjenigen Therapeuten zeigen können, die sich mit entsprechenden Herangehensweisen beschäftigen, und zwar wenn sie ganz spezifisch die Augen ihrer Klienten mit einbeziehen wollen.

 

Eine Schlussfolgerung

Der Fokus unserer Arbeit richtet sich in der Tat auf die Augen und das Sehen.

Aber dieser Gesichtspunkt sollte uns nicht kurzsichtig werden lassen, in dem Sinne, dass wir nur unser kleines Interessensgebiet sehen.

Wir müssen in der Lage sein in die Ferne zu blicken und alle möglichen Entwicklungen zu sehen.

Hier kann eingewendet werden, dass wir möglicherweise zu weit in die Ferne sehen, doch gleichzeitig achten wir bei unserer Arbeit sehr auf die Details, wir schauen sie uns genau an.

Es ist auch wichtig einen weichen, offenen Blick zu behalten für das, was um uns herum geschieht: es geschehen viele Dinge in Bereichen, die den unsrigen ergänzen können.

Wir brauchen den Kontakt zu Menschen, die in diesen Bereichen aktiv sind, wir müssen uns gegenseitig in die Augen schauen und es zulassen zu sehen und gesehen zu werden.

Das ist es, was wir als Ganzheitliche Vision bezeichnen.....

 

Fußnoten

1) Sakkaden sind kleinste, schnelle Bewegungen, die das Auge zur Ausrichtung auf ein Sehobjekt ausführt

2) Berufsbezeichnung in Nordamerika und Kanada (behavioral optometrist = Optometrist, der auch das Verhalten der Personen mit einbezieht)

3) In der ganzheitlichen Arbeit geschehen nicht selten Wunder wie das folgende: plötzlich auftretendes klares Sehen mit Sprüngen von etlichen Dioptrien (von ­8,5 und ­11 hin zu klarem Sehen ist der eklatanteste Fall). Es muss gesagt werden, dass es sich um sehr instabile Zustände handelt, die schnell wieder vorübergehen. Aber es handelt sich weder um Halluzinationen noch um einen Irrtum des Optikers, der die Brillengläser angefertigt hat, noch um kollektive Suggestionen... oder irgendeine andere phantasievolle Begründung, die Optiker und Augenärzte in Umlauf bringen, um ihre eigene Panik hinsichtlich des Unbekannten zu überwinden.

4) Zu Bates Zeiten wurden diese Fähigkeiten auf natürliche Weise im täglichen Leben trainiert und wurden als gegeben vorausgesetzt.

5) Entwickelt von Fritz Perls in Esalen, Kalifornien hat sie quasi nichts mit der zuvor erwähnten Gestalt-Psychologie zu tun (sprich derjenigen von Köhler, Katz & Kanizsa)

6) Dies war der Fall bei Janeth Goodrich, die gezwungen war aus den USA nach Australien zu emigrieren.

 

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