Kreativität
und Management
Für Sehprobleme sind Augenärzte und Optiker zuständig,
könnte man denken, was haben Veränderungen von Sehgewohnheiten,
Augentraining etc. also in einem Managementtraining zu suchen?
Es ist heutzutage allgemein bekannt, daß vom Topmanagment
bis zum "kleinen" Angestellten die Aufgabenvielfalt sowie die
Arbeitsintensität und -komplexität sich immer mehr erhöhen.
Das bedeutet aber auch, daß jeder mit allen Sinnen, seiner ganzen
Persönlichkeit und seinem ganzen kreativen Potential gefordert ist
und damit auch manchmal überfordert.
Auf diese Komplexität adäquat zu reagieren und
das kreative Potential auszuschöpfen, ist der Ansatzpunkt für
die Arbeit mit den Augen.
In unserer heutigen Zeit werden sowohl am Arbeitsplatz
als auch in der Freizeit die Augen sehr viel stärker in Anspruch genommen
als die meisten anderen Sinne. Lesen, Fernsehen, Computerarbeit sind für
unsere Augen hochkomplexe Tätigkeiten und auf die Dauer anstrengend.
Wir setzen unsere Augen einem konstanten Marathonlauf aus, was zu zunehmender
Verschlechterung der Sehfähigkeit führt, die sich in Kurzsichtigkeit
und frühzeitig einsetzender Altersweitsichtigkeit zeigt.
Sehr viel indirekter, aber um so stärker in den Folgen,
sind die Auswirkungen auf der psychischen Handlungsebene. Dies ist insbesondere
im Bereich einer Firma von großer Bedeutung und der Angelpunkt der
hier vorgestellten Arbeit. Schon in unserer Sprache zeigt sich dieser Zusammenhang:
Was bedeutet, wenn man z. B. von "Ansichtssache" oder "Sichtweise"
spricht? Normalerweise wird damit eine allgemeine geistige Grundhaltung
beschrieben in bezug auf eine Situation. Da man aber eine Metafer, die vom
Sehsinn abgeleitet wurde, benutzt - vielleicht unbewußt - wird der
psychische Zusammenhang mit der Art und Weise wie jemand in einer bestimmten
Situation sieht, deutlich gemacht.
Neuere Untersuchungen über die visuelle Wahrnehmung
kommen in der Tat zu folgendem Ergebnis:
- 1. Die Art und Weise wie ein Individuum sieht (hier physisch),
gibt Aufschlüsse über seine psychischen Haltungen,
- 2. Es ist möglich die visuellen Fähigkeiten
zu verbessern, während sich gleichzeitig auch die psychischen Einstellungen
verändern.
- 3. Es ist auch möglich die psychische Reaktion in
bestimmten Situationen zu verbesseren durch eine graduelle Veränderung
der unterschiedlichen Fähigkeiten des Sehens.
- 4. Wie in einer Kettenreaktion kann man vorhersehen,
wenn die visuelle Ebene ständigen negativen Einflüssen ausgesetzt
ist, sich die Fähigkeit auf psychischer Ebene sinnvoll zu reagieren
einschränkt, verringert sich somit auch die Fähigkeit im Arbeitsprozeß
sinnvoll zu reagieren.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß eine
effektive Handlungsweise auf psychischer Ebene, also die Fähigkeit
effizient und mit Leichtigkeit auf die unterschiedlichsten Situationen im
Arbeitsprozeß zu reagieren, offensichtlich eine wichtige persönliche
Resourse darstellt, die dem Unternehmen zu Gute kommt.
Im Folgenden betrachten wir an Hand von verschiedenen Beispielen
in einer bildlich- intuitiven Weise die Qualitäten, die ein Manager
für sein Handeln benötigt:
Die
fünf Blicke
1. Der weite Blick des Seemanns
Die Fähigkeit in großer Entfernung klar zu sehen,
eine minimale Bewegung, wo anscheinend nichts passiert, wahrzunehmen, kennzeichnen
den Blick des Seemanns. Derjenige, der die Geschicke eines Unternehmens,
einer Abteilung, einer Gruppe von Mitarbeitern leitet, braucht genau diese
Fähigkeit. Wird sie beständig geübt, bedeutet dies auch eine
gute Übung für den "Blick nach vorn", für den bewußten
Umgang mit dem, was uns umgibt (in der inhaltlichen Arbeit, in der Politik,
in der Verwaltung). Wir sind in der Lage neue Tendenzen wahrzunehmen, die
aus nächster Nähe noch nicht zu sehen sind, und somit rechtzeitig
notwendige Schritte einzuleiten.
Einen Manager könnte man mit einem Kapitän vergleichen,
der dafür verantwortlich ist, das Schiff auf dem richtigen Kurs zu
halten, ohne in größere Stürme zu geraten und es sicher
in den Hafen zu bringen.
2. Das genaue Auge des Restaurators
Es ist eine analytische Sehweise, die auf jede Feinheit
achtet, mit der ständigen Bereitschaft, behutsam und mit großer
Aufmerksamkeit sofort etwas zu korrigieren. Ein leitender Angestellter muß
ebenfalls im Auge haben, ob alle Teile seines Organisationsbereichs gut
funktionieren, wie die Stimmung ist und ob alles "gut läuft".
Das heißt, daß er in der Lage sein muß, sich sehr schnell
auf eine Person, ein Detail, ein spezifisches Problem einstellen können
muß. Er braucht die Bereitschaft des Restaurators, der das ihm anvertraute
Kunstwerk verändert, für die anstehendenVeränderungen in
seinem Bereich.
3. Das Auge des agilen Tennisspielers
Für jede körperliche Aktivität, joggen auf
einem schmalen Pfad, klettern am Hang, Tennis spielen oder ein anderes Ballspiel,
brauchen wir ein sehr schnellen, mobilen Blick. Aus dieser Eigenschaft entwickelt
sich die Fähigkeit, einerseits von einem Moment zum anderen die Aufmerksamkeit
und auch die ganze Kraft in eine andere Richtung zu lenken, andererseits
sich auf verschiedene Perspektiven ohne Anstrengungen einzustellen. Ein
leitender Angestellter sollte in der Lage sein, seine Organisation vor Immobilität
zu bewahren, indem Ziele modifiziert werden, die Art und Weise wie etwas
organisiert ist, immer auch wieder zur Disposition steht und Engpässe
mit Gelassenheit überwunden werden.
4. Die globale Sicht des Regisseurs
Auch wenn es wichtig ist, seine Konzentration auf einen
Punkt, eine Person, ein Ziel richten zu können, so darf jedoch nicht
die Sicht des Ganzen aus den Augen gelassen werden, das Zusammenspiel aller
Einzelteile, die das gesamte System ausmachen. Ein Manager muß z.B.
auch die verschiedenen sozialen, politischen, administrativen Interessen
beachten. Er braucht also die Fähigkeit auch rechts und links von ihm
etwas wahrzunehmen, also einen weiten Blickwinkel (periferes Sehen). Auch
ein Mitarbeiter in einer weniger hohen Führungspositionen sollte wie
ein Regiseur handeln, der immer eine Auge auf seine ganze Truppe haben muß
und sich in jedem Moment versichern muß, daß jeder seine Rolle
im Set einnimmt.
5. Die dreidimensionale Sicht der Bergführers
Der Bergführer hat die besondere Fähigkeit beide
Augen synchron aber auch "stereo" zu benutzen: das erlaubt
ihm visuelle Aufgaben zu verfolgen, die von großer Komplexität
sind und beinhaltet die bessere Nutzung des Gehirns, insbesondere eine effektivere
Koordination beider Gehirnhälften.
Er kann z. B. die Volumen richtig einschätzen, weiß
um die Tiefe der Dinge von Bedeutung, d. h. er kann die Größe
und die Wichtigkeit einschätzen. Weil er so die Entfernungen richtig
beurteilen kann, ist er in der Lage, Entscheidungen im Voraus zu treffen
und rechtzeitig zu handeln.
Die gleiche Fähigkeit, Geschwindigkeiten einzuschätzen,
hilft nicht nur ein Auto sicher zu fahren, sondern auch eine Firma oder
eine Abteilung zu führen. Nämlich das man einschätzen kann,
mit welcher Geschwindigkeit und in welcher Richtung sich eine Gegebenheit
bewegt und ob und wann es mit unseren Plänen kolidiert.
Einen
Team führen
Normalerweise besitzt ein Manager diese Fähigkeiten,
weil die täglichen Aktivitäten sie abfordern und ihn so in Übung
halten. Es ist aber natürlich auch so, daß einige dieser Fähigkeiten
in den Hintergrund rücken, und andere längere Zeit nicht mehr
gebraucht wurden. Das führt zu einer Schwächung eines Teils der
eigentlich vorhanden Resourcen, zu einer Erhöhung des Streß und
einem Abfall der Effizienz. Es ist ein wenig so, als hätte man die
Schlüssel zu einem Lagergebäude verloren, nach einer Zeit hat
man vielleicht sogar vergessen, was in diesem Lager war und improvisiert,
sobald etwas aus diesem Lager gebraucht wird
In diesen Fällen ist es möglich, wirkungsvoll
einzugreifen, in dem die Aufmerksamkeit auf das Sehen gelenkt wird, also
der Schlüssel gefunden wird:
Indem man überstrapazierten Augen Entlastung verschafft,
reaktiviert man auch das gesamte damit verbundene geistige Potential. Indem
die Augen angeregt werden, alte nicht mehr benutzte Fähigkeiten wieder
neu zu erlernen, wird ein Ausgleich geschaffen für alle Aktivitäten,
was die Selbstwahrnehmung und das Selbstvertrauen in die eigenen Möglichkeiten
gleichermaßen fördert.
Dasselbe gilt auch bei der Führung eines Teams, daß
der Verantwortliche die Aufgaben so verteilt, daß jeder einzelne in
Lage ist, ihnen nachzukommen. Genauso braucht er die Fähigkeit sich
in die "Sichtweise" seiner Mitarbeiter zu versetzen, um vorher
schon gegebenfalls Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.
Man sieht also welch ein großes Potential erschlossen
und aktiviert werden kann, durch eine verhältnismäßig kleine
Intervention.
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